Obertilliach und das fluGELDorado Greifenburg

Obertilliach

Schön war’s in Obertilliach, auch wenn nicht viel geflogen wurde. Der Nordwestwind machte uns das Fliegerleben schwer, da wir mit voranschreitender Stunde mit immer mehr Rückenwind zu kämpfen hatten.

  • Samstag, 25. August 2007

Nach mehrstündiger Autofahrt am Samstag ging es gleich nach Einquartierung in der Pension Andreas zur Liftstation um uns sofort in Luftige Höhen zu begeben. Genug thermische Zündung zum längeren obenbleiben fanden wir nicht vor, daher blieb es nur beim verzögerten Abgleiten, oder besser gesagt: Senkrechten absinken. Der Talwind war nachmittags schon derart stark ausgebildet, daß man über dem Landeplatz mit nur 5km/h Vorwärtsgeschwindigkeit vorankam. Na wenigstens konnte man die “hängenden” Piloten über dem Landeplatz gut fotografieren, da sie endlich mal still hielten.

  • Sonntag, 26. August 2007

Morgenstund im Flugverbund - zeitig aus dem Bett gequält und doch hat’s nix gebracht ausser eine von der Sonne verbrannte Rübe und das kam so:

Mit dem 2er-Sessellift gehts rauf auf den unteren Startplatz des Golzentipp-”Hügels” (2020m) um dort dann den Nordwestwind im Genick zu spüren. Endlich - um 10 Uhr streicht dann das erste Blaserl rauf und hebt den Nordwest eine kurze Zeit auf. Also noch ein bisserl warten dann wird das schon. Ein paar Minuten später hören wir ein pfeifen und einen Höllenlärm hinter uns. Als wir sehen was den Lärm verursacht stockt mir der Atem. Ein riesen Dustdevil von 20-30 Meter Durchmesser fegt an uns vorbei. Nach einer Weile trifft er auf den Wald und stirbt ab. Nun kommt der Wind wieder von Nordwest, also hinten. Nein, So macht das Fliegerleben keinen Spaß. Die vorherrschenden Bedingungen vereitelt hier am südlich ausgerichteten Startplatz den Start, also rauf mit dem Fetzenflieger auf den oberen Startplatz der in den Kessel schaut und daher etwas Westlich ausgerichtet ist. Dort herrscht dann eine ganz eigenwillige Strömung vor. Teilweise kommt der Wind astrein von rechts, also Nord, dann wieder von vorne West, dafür in einer Böigkeit die einem das fürchten lehrt. Charly mit schwerem Tandemgepäck auf dem Weg wieder nach untenCharly versuchte in 3 Anläufen mit dem Tandemschirm rauszukommen, was aber trotz zweier Helfer nicht gelang. Da wir Angsthasen mit Mut zur Angst das Starten dann doch lieber bleiben ließen, kassierten manche aufgrund fehlender Kopfbedeckung wenigstens einen Parawaiting-Sonnenbrand auf unseren Köpfchen und Näschen, was uns zumindest eine Zeitlang auf diesen Tag erinnern sollte. Nachdem mit fliegen erstmal nix ging und Rich schon einen trockenen Mund vortäuschte, gings erstmal zur Conny-Alm um den Flüssigkeitsverlust zu eliminieren. Ein paar Radler später und im Geiste schon mit dem Lift wieder vom Hügel gefahren entdecken wir plötzlich einen Türkisen Swing-Schirm bei deren Besitzer es sich nur um Manfred handeln kann. Hat er doch einen guten, halbwegs windstillen Moment vom unteren Startplatz erwischt und sich in die Lüfte erhoben. Katapultartig gings in der Leethermik nach oben, nach ein paar drehern seinerseits wollt ich nur mehr weg hier - von der Conny-Alm.

ParawaitingAlso wieder zum unteren Startplatz marschiert wo gerade ein Modellflieger seine Modelle zerstörte - kein beruhigender Anblick. Die Leichenteile des ersten Modells lugten verdrossen aus der Heckscheibe seines Autos und verkündeten turbulente Bedinungen … oder einen grobmotorischen Piloten.

Abgang auf der Piste - 550 Höhenmeter per Pedes vernichtenAufgelegt, rausgestartet und vorbei war’s mit dem Großen Steigen - warum auch immer, plötzlich waren alle gegroundet. Also nochmals mit der letzten Gondel rauf, man fliegt ja eh runter. Denkste…

Nach 3 Stündigen Rückenwind-Parawaiting beschlossen die übriggebliebenen dann doch zu Fuß runter zu marschieren. Auf der steilen Piste gings rasch nach unten. Ich versteckte das Tandemgepäck vorsorglich am Berg um es dann am nächsten Tag zu holen - fliegend oder Seilbahnend - je nach Situation halt.

  • Montag, 27. August 2007

Der frühe Vogel fängt den Wurm fliegt den Flug.

Tandem mit OliviaOhne Zeit zu verlieren ging’s mit Olivia nach oben und siehe da. Der Nordwest war nur gaaanz schwach. Also Tandemzeug aus dem Versteck geholt, aufgelegt und … airborne. Ein ruhigen Abgleiter war uns nun vergönnt, so brachten wir die Tandemausrüstung dann doch noch fliegend runter.

Die Entscheidung für den heutigen Tag hieß dann:

Greifenburg von oben, in der mitte der Badesee mit Landeplatz Ausweichen nach Greifenburg zur Emberger Alm. Nach einer guten Stunde Autofahrt kamen wir im 70km entfernten Greifenburg an. Als wir den Landeplatz besichtigten erkannten wir schon - hier weht ein anderer Wind als in Obertilliach. Gemeint sind in diesem Fall aber nicht die luftigen Strömungen, sondern die Art des Fluggebietes. Gerade hat uns das Fluggebiet im verschlafenen Obertiliach noch uns alleine gehört, mussten wir es hier mit ettlichen hundert anderen Piloten teilen. Hier gab’s alles in nächster Nähe was das Fliegerherz begehrt. Abgesehen vom Getränkeautomaten am Landeplatz, gabs nicht nur einen Campingplatz sondern auch ein angeschlossenes Restaurant - Zimmervermietung eingeschlossen. Nicht umsonst nennt sich das Gebiet hier “fluGELDorado Greifenburg”.

Nahe des Landeplatz ging es zu wie am Strassenstrich. Am Parkplatz des vorgelagerten Restaurants wurde man auch ohne eindeutiges Gepäck angesprochen:

“Hey, willscht mit hoch? Färscht mit mir hoch? Komm, steig bei mir ein!”

Was für ein Film läuft denn hier ab? Kämen die fragen nicht von so Maskulinen Personen, könnte man meinen es werden andere Dienstleistungen angeboten. Bei den Aufreißern am Parkplatz handelt es sich um verschiedene Shuttle-Dienste mit 9-sitzer Bussen die um die Gunst der Piloten kämpfen. 4 Euro zum unteren Startplatz, 5 Euro zum oberen Startplatz. Gut 1000 Höhenmeter liegen zwischen Lande- und Startplatz, der Preis ist okay, aber dennoch nicht Billig. Also eingepackt, eingestiegen und mit der Hure dem Chauffeur nach oben. Anstatt uns ein wenig ruhe zu gönnen kaut uns der Shuttle-Pilot ein Ohr ab, von wo wir denn kommen und wie toll es hier nicht ist.

“Von wo kummscht denn Ihr? Was? In Obertilliach seidsch Ihr untergebracht? Vergescht des dort, hier ist das Paradies!”

Natürlich hat er für uns den besten Wetterbericht … Mann oh Mann, der typ nervt - endlich raus hier! Kurz vor Ankunft des unteren Startplatz will er uns noch überreden doch den oberen Startplatz zu nehmen.

“Soll ich euch nischt hochfahren am obern Startplatz? Am unteren Startplatz ischts ja nur ein obisaufen, am oberern Startplatz - da gehtsch vieeel besser!”

Seine Überredungskünste halfen Ihm nichts. Es blieb bei den 4 Euro pro Person. Für den 100 Höhenmeter höher gelegenen Startplatz hätte es 5 Euro gekostet. Ich versuchte ihm mehrmals klar zu machen daß wir dann am oberen Starplatz rauf fliegen werden, er meinte nur ich sei wohl der Witzbold hier.

Am Startplatz angekommenEndlich raus aus dem Bus und den Fahrer seinen Obulus gegeben kam auch schon die nächste die Geld von uns wollte. Die Startplatz-Fee kassierte gleich die Startgebühr von 4,50 Euro, dann wurde uns erst Einlass zum Startplatz gewährt.fluGELDorado Greifenburg. Das Startticket verrät worum es hier in erster Linie geht

Hier blies der Wind ordentlich steif rauf. Ein Drachen nach dem anderen tauchte von der Rampe weg. Über uns schaute es Wolkenmässig schon gut entwickelt aus. Aufgelegt, rückwärts aufgezogen und raus. Trotz dem vielen Flugverkehr verliert sich das ganze schnell wenn man nicht mit dem Pulk über dem Startplatz kreist. Ein schönes flüglein war uns beschert, der Ausblick war sensationell.

Nach dem fliegen widmeten wir uns erstmal den Kulinarischen Genüßen. Nach gefüllten Bauch wollten wir nochmals hoch, also raus zu den Shuttle-Nutten am Parkplatz. Diesmal ein anderer Chauffeur, aber mindestens ebenso redselig als der Vorgänger. Sein Wetterbericht war auch kaum zu überbieten. Wieder 20 Minuten das Gequatsche anhören, ich wusste warum ich hinten Platz nahm.

Regen über dem Landeplatz. Die Fallstreifen des Regens sind deutlich zu sehen.Oben angekommen sah die Wettersituation nicht mehr gut aus. Schwarze Congestus über dem StartplatzEine fette Schwarze Wolke zog langsam aber sicher von hinten heran, der Thermikfunke kam bereits zum erliegen und der Bergwind setzte ein. Einige starteten mit Rückenwind, wie wir per Funk einer lokalen Flugschule erfuhren regnete es am Landeplatz bereits. Deutlich waren die Fallstreifen von hier aus zu sehen. Noch ein paar wagten einen Fluchtflug, von Lienz zog es nun auch schon schwarz heran. Schön anzusehen wie sich die Kaltluft über den gegenüberliegenden Torkofel schiebt und ins Tal fälltIch packte meinen bereits halb ausgepackten Schirm wieder ein und begab mich an das Startplatzbuffet. Ich hab übrigens noch gar nicht erwähnt daß es hier direkt neben dem Startplatz ein Buffet gab. Schöne SchlechtwetterstimmungAber kaum sah es nach Regen aus sperrte das Buffet zu und erst nach einigem Bitten und Betteln gab man uns dann doch noch ein Wartebierchen. Nun wurde man hier plötzlich im Stich gelassen. Auch von den Shuttle-Nutten war weit und breit niemand zusehen. Alleingelassen harrten wir auf der Buffet-Terasse aus um selbst organisierte Hilfe zu holen. Nach gut einer halben Stunde trafen zwei Privatautos von uns ein die uns abholten.

Greifenburg - bei umschlagenden Wetterverhältnissen am Startplatz plötzlich kein Paradies mehr.

  • Dienstag, 28. August 2007

Morgens, halbzehn in Osttirol - Schwechater, das Früh-TütchenMorgens, halbzehn in Osttirol - Schwechater, das Früh-Tütchen.

Zurück in Obertilliach:
Nach eingehender Wetter- und Windberatung am Parkplatz des Lifts wurde beschlossen erst gar nicht mehr mit dem Lift hoch zu fahren, sondern erstmal den Flüssigkeitshaushalt in Schwung zu bringen - macht ja auch Spaß.

Anschließend wurde noch die Bäckerei in Obertilliach aufgesucht um den Kalorienhaushalt mit frische Schaumrollen zu füttern. Dann ging’s aufgrund der immer schlechter werdenden Wetterbedingungen (in ganz Mitteleuropa) nach Hause. Wäre das Wetter in Meduno wenigstens noch fliegbar gewesen, wären wir für ein bis zwei Tage dorthin ausgewichen.

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4 Kommentare zu “Obertilliach und das fluGELDorado Greifenburg”

  1. Christoph Schrieb

    weltklasse blog! auch wenn leider das wetter nicht mitspielte, ins “geld”orado möchte ich auch mit ;o)
    und shutteln nur hinten, bitte!

  2. Fraggle Schrieb

    hahaha… die shuttlenutten, ich brunz mich an! SUUUUPER Berichterstattung muss ich sagen.

    Kleiner Tip: Finanziell zahlt sich der obere SP trotz allem aus, da man sich die Startgebühr erspart.

    Wie dem auch sei. Haltet die Flügel steif!

  3. Parablog.at » Blog Archiv » LA TOUR DE SEEBÖDE 07-11.07.2008 Schrieb

    [...] mir die nicht benötigte Landevolte überaus leicht beigebracht. Recht aufgebracht begrüßte uns Madame Taxi, die hatte zwar mit Gerdschi den ein oder anderen Hand-Fußwechsel, wechselte aber schnellsten mein [...]

  4. Parablog.at » Blog Archiv » Flug(G)eldorado Thermikburg Schrieb

    [...] zu nutzen und fuhren aufgrund des feinen Wetters auf ein paar Frühjahrsflügerl ins “Flug(G)eldorado Thermikburg” um uns erstmalig ernsthaft mit dem Thema Streckenflug auseinanderzusetzen. [...]

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castelluccio martin hundi