Cruisin’, Ridin’, Surfin’ … oder: Mit dem Motorschirm im Tiefflug

Gestern musste ich eine Entscheidung treffen und die fiel mir irgendwie gar nicht schwer. Nachdem ich am Tag zuvor aufgrund meiner Schichtarbeit ganze 11 Stunden geschlafen (6:30-17:30) und somit einen der schönsten Herbsttage im wahrsten Sinne verschlafen hatte, bekam ich nun vom Wettergott erneut die Chance und da man im Leben hin und wieder Prioritäten setzen muss, ließ ich meinen WIFI-Kurs kurzerhand links liegen, verschob das Reifen wechseln auf irgendeinen anderen Tag und ging einfach Fliegen.

Dieser Tag war möglicherweise der letzte richtig milde Herbsttag und diesen wollte ich nicht ungeflogen verstreichen lassen, denn das war mit ziemlicher Sicherheit die letzte Chance diesen Herbst so mild zu erleben erfliegen. 5km/h Wind (in 300m üG) aus Nordwest und angenehme 15 Grad machten diesen schönen Herbstflug einfach unvergesslich:

“…G-L-O-B-A-L- -D-J … Hey whats up everybody and welcome to the Global DJ Broadcast - Ibiza Summer Sessions - this week on the Broadcast, a special guest Mix with Jody Westernoff from way out west…”

Lieblingsstartplatz bei Westwind…tönt es mir in die Ohren … ein paar Schritte noch … Halbgas … Kontrollblick … leichtes korrigieren mit den Steuerleinen … langsam Vollgas … AIRBORNE!

Mobiler Windsack am StartplatzJa, ich liebe es mit Musik zu fliegen. Was man sich beim Thermikfliegen besser nicht erlaubt (außer man verzichtet auf das Variogepiepse) ist beim Motorfliegen für mich mittlerweile fast schon unverzichtbar. Und abermals ein Start mit dem vollbetankten Motor am Rücken auf Anhieb klappt und das bei fast Null-Wind. Wenn mein West-Lieblingsstartplatz nicht leicht geneigt wäre, gings wohl nicht so einfach in die Luft. Ich schau nochmals auf die Nachbarwiese runter denn da steht ein Modellflieger der mit seinem SAL-Segler ein paar Runden dreht. Autobahn bei EnnsAuch ein geiles Hobby, aber seit dem ich selber fliege komme ich nicht mehr zum Modellfliegen, Interessenskonflikt halt.

Der nette Opa der mich bei den Startvorbereitungen mit seinen Geschichten unterhielt und ernsthaft dachte daß ich mit einem Ballon starten würde schaut mir staunend nach, wir winken uns zu. Rauf gehts auf 300m üG (über Grund) und das laue Lüfterl das am Startplatz mit den obligatorischen 2 km/h (ergo Null-Wind) wehte, wird ab 300m aufwärts ein richtig steifer 20er. Mit 18 km/h Vorwärtsfahrt ist’s kein weiterkommen, also beschließe ich wieder etwas runter zu gehen. Herbststimmung mit dem MoschiIn 220m Höhe üG passt’s wieder und mit 35 km/h gehts Richtung Steyr. Mein Unterbewusstsein drückt den Gashebel instinktiv ein bisschen fester da ich den Enns-Fluss überquere, mir gehts beim Überflug von größeren Wäldern oder Ortschaften immer so. Zu groß die Angst der Motor könnte abrupt die Arbeit einstellen. Pro Minute sind bei 2m/sek. sinken ca. 100m vernichtet. Thaling kurz vor EnnsDie Minuten vergehen obendrein im Sekunden-Takt - Zeit ist ja bekanntlich relativ. Letzten Sommer durfte ich das mal live erleben als mir der Motor in 200m den Dienst verweigerte und ums verrecken nicht mehr ansprang. Abgesoffen - im doppelten Sinn. Da wirds dann mordsmässig eilig mit der Landeplatzsuche, schließlich sind Hochspannungsmasten ja keine ausgezeichnete Landeplätze, aber das wissen Parablog-Leser ja bereits, denn das haben zuvor andere schon ausgiebig für uns getestet.

KronstorfVorbei gehts an Kronstorf, die Luft ist heute wieder mal enorm diesig, bei so hoher Luftfeuchtigkeit braucht man ja schon fast das Freischwimmerabzeichen und statt des Rettungsschirm einen Rettungsring inklusive Beiboot - na gut, ist natürlich übertrieben aber es war ordentlich feucht in der Luft das kann ich euch sagen. Letztes mal war bei selbingen Bedingungen der Schirm nach der Landung spürbar feucht. Heute werde ich ihn abermals zu Hause zum trocknen ausbreiten müssen.

Kronstorf im ÜberflugNachdem mir Gerhard letztens verriet daß er zunehmend eine Vorliebe für den Tiefflug entwickelt und beim Motorschirmschein in Freistadt einige vom PAP-Team das Tieffliegen mit Hingabe und können praktizierten, ging das nicht ganz spurlos an mir vorbei. Kürzlich fiel mir auf, daß man zwischen dem Heuberg und Hargelsberg ein 4km(!) langes Plateau mit Feldern vorfindet, das fast völlig hindernisfrei ist und sich bestens zum Tieffliegen eignet. Daher war diese Ebene heute das Ziel der Begierde um mal in den Genuss des Tieffliegens zu kommen und - was mir enorm wichtig ist - ohne einen Menschen zu stören, da dieses Gebiet so gut wie unbewohnt ist.

Seltsame Kreise in den Feldern - davon gabs einigeAm Heuberg angekommen vernichte ich erstmal das bisschen Höhe um mich an den Boden heranzutasten. Hab ich auch wirklich keine Hindernisse übersehen? Irgendwo ein gemein gespanntes Kabel? … Nein, alles bestens. Da der Plateauüberflug Richtung Norden erfolgt muß ich nicht gegen die untergehende Sonne schauen, somit sehe ich meine Umgebung wesentlich besser. Fotos gibts hiervon leider keine, aber ich rechne fix damit daß mir Bernie fürs nächste mal seine Helmcam leiht. ;-)

Der Tiefflug in ungefähr 5m Höhe erfordert ständige Aufmerksamkeit. Schiefgehen darf hier nix, sonst lande ich bei den in den Feldern wirr hin und her hüpfenden Hasen und Rehen, die würden mich nach der Notlandung mit Sicherheit lynchen, nachdem ich ihnen jetzt so einen ordentlichen Schreck einjage. Aber etwas Sport schadet den Tierchen ohnehin nicht. Ich wusste übrigens gar nicht daß es in den Feldern so extrem wimmelt von Wildtieren. Ach, … wenn ich ein Jäger wär … ja - da wüsste ich schon wie bei mir die “Jagd” aussehen würde. Das tiefe Fliegen macht wirklich ordentlich Spaß, zudem ist es eine perfekte Übung um das Gefühl für den Gashebel zu trainieren.

Mein Motorfluglehrer sagte mal so nebenbei treffend zu jemand:

“Ein guter Motorschirmpilot gibt nie ruckartig Gas.”

Spätestens beim bodennahen fliegen weiß man wie recht er mit dieser Aussage hat.

Nach 20 Minuten bodennahen Cruisen mach ich mich wieder auf dem Weg retour. Als ich am Landeplatz (=Startplatz) ankomme stellt der Modellflieger seinen Flug ein und wartet rücksichtsvoll meine Landung ab. Ein cleveres Bürschchen denk ich mir noch und bin ihm insgeheim dankbar. 57 Minuten pures Glück zeigt mir mein Vario im Abschlussbericht, was für ein geiler Flug, was für eine schöner Herbstausklang.

So glücklich macht MotorschirmfliegenAls ich zusammenräume kommt der Modellflieger zu mir rüber. Er heißt Andi, wir grüßen uns herzlich und ich denk mir schon ich kann meine missionarische Ader ausleben und ihn zum selber fliegen bekehren.
Doch wie es der Zufall will - er ist selbst aktiver Pilot! Andi erzählt daß er in Micheldorf seit 10 Jahren Drachen fliegt und daß er nebenbei zum Ausgleich zwischendurch ein wenig mit seinem SAL-Flieger fliegt, da er in der Siedlung unterhalb meiner Start- und Landewiese wohnt. Schöner HerbstabschiedMan sieht, das Fliegerleben hält immer eine Überraschung parat. Nach einer netten Plauderei verabschieden wir uns bei einem der schönsten Sonnenuntergänge dieses Jahres und hoffen uns wieder mal zu treffen. Mit Sicherheit Andi - Piloten laufen/fliegen sich immer mal über den Weg!

Mit einem strahlendem Lächeln im Gesicht düse ich heimwärts und bin einfach nur glücklich…


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7 Kommentare zu “Cruisin’, Ridin’, Surfin’ … oder: Mit dem Motorschirm im Tiefflug”

  1. lois Schrieb

    Hi Max

    Diesen Optimale Startbedingungen konnte ich auch Dienstag nicht widerstehen möglich das wir zur selben Zeit in. Inversionsschicht nähe waren. Auch mittwochs flog ich abends von Garsten Richtung St Valentin mit einem leichten Umweg über Strengberg die Schlechte Sicht machte etwas Orientierungsprobleme aber sonst ein super geiler Flug.
    Dein Startplatz kommt mir sehr bekannt vor dürfte ganz in meiner Nähe sein.
    Lg . lois

  2. Max Schrieb

    Hi Lois! Von wo bist du denn? Ich bin am Mittwoch um 16:30 gestartet und um ca. 17:30 gelandet, falls du auch am späten Nachmittag geflogen bist so haben wir uns nur knapp versäumt!

  3. lois Schrieb

    servus Max !

    War Mittwoch 17.10 von 16:30 bis 18:00 in der Luft kann sein das sich unsere Route kreuzte. Flog teilweise in 1200m Höhe hab nur einmal ein Kleinflugzeug gesehen das einige Hundert Meter unter mir durchflog.
    Also wir kennen uns ( Motorkurs Freistadt + Sonnenbrille Ternberg?)
    Mein Hangar steht in St.Valentin Erla lg.

  4. didi Schrieb

    lässiger Bericht!

  5. Bernhard Schrieb

    Da hast du dich schreiberisch wieder einmal selbst übertroffen!!!

  6. Harry Schrieb

    Hallo Max!
    Schöne grüße auf diesem Weg.
    coole site, vor allem die Fotogalerien sind top.

    “Glück ab, gut Land!”

    Harry

  7. Martin Schrieb

    Hallo Max!

    Ja, Tieffliegen mache(n) ich(wir) wirklich mit Hingabe. Ich könnte stundenlang nur ganz tief über Felder, Wiesen, Häuser, Wandergruppen, FFK-Strände … ;-) rund um Bäume, Kirchen, Schornsteine … Ich liebe den Tiefflug!!!! …und das schon 5 Jahre. Das Problem oder nicht Problem dabei ist, du musst das Ganze immer wo anders machen, ansonsten bekommst du schnell ärger. Also, wenn geht nicht in deiner Umgebung!

    Ein Tiefflug vermittelt dir das Fliegen als Schweben!!! Einfach geil!

    Da ich jetzt in St. Florian wohne sollten wir mal zusammen fliegen gehen. Ich starte da meistens auf dem Modellflugplatz “Future Airport” http://www.futureairport.at/jgs_galerie_kategorie.php?kategorie=21&page=1&sid=

    Melde dich mal und wenns Wetter passt, ab in die Luft …

    Liebe Grüße
    Martin H.
    PAP-Kamerad
    http://www.paramotor.at

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pyla jonny